... zum 40-jährigen Ende des Zweiten Weltkriegs
Die Rede wurde damals im Fernsehen übertragen. Nicht nur die Erwachsenen klebten am Bildschirm, es waren doch auch sehr viele Jugendliche, die sich brennend dafür interessierten, was so "ein alter Knacker" da von sich lassen würde.
"Erstaunlicherweise (auf mein Alter bezogen) empfand ich diese Rede als sehr inspirierend. Sie bewegte mich dazu, mich eingehend mit der Zeit des Zweiten Weltkriegs zu befassen. In unserer Schule stand dieses düstere Kapitel der Deutschen Geschichte nicht auf dem Stundenplan, wo es unbedingt hingehörte. Somit suchte ich mir alle Informationen aus Büchern, die ich nur bekommen konnte. Hierzu gehörte vor allem ein foto-dokumentarisches Buch, das die Schrecken der KZ zeigte, unter anderem Berge von Totenschädeln und Gebeinen, die in Gruben zu Massen aufgetürmt waren. Ich war nicht nur abgeschreckt von den Greueltaten der Nazis, sondern tief berührt und erschüttert, wie es soweit hatte kommen können. Eines war in diesen jungen Jahren schon klar: niemals würde ich mit Leuten zu tun haben wollen, die all das verschweigen oder verharmlosen wollten. Meine politische Richtung wurde somit durch Weizsäckers Rede gefestigt - denn die stand vorher schon fest, herausgebildet durch unzählige Romane und Geschichten von Schriftstellern, die ich in der thematisch weitreichenden Buchsammlung meines Vaters fand."

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