16.08.1988: Geiselnahme von Gladbeck


Einzelheiten zum Geiseldrama von Gladbeck hier.



7:45 Uhr: zwei bewaffnete Männer nehmen Geiseln in einer Bank in Gladbeck. Selbst im Radio hörte man kaum noch etwas anderes an diesem Tag. Wie gebannt saßen wir abends alle vor der Glotze und sahen die Nachrichten: Krimi hautnah, die Spannung nervenzerreißend und kaum noch auszuhalten. Mehr als zwei Tage ging das so, bis es endlich vorbei war.





 "Meine Familie und ich saßen mal wieder gebannt vor der Glotze. Alles, was gezeigt wurde, saugten wir auf wie ein Schwamm - die erste Mediengeilheit, die auf uns abzufärben schien. Doch es war nicht die Faszination des Grauens, sondern der Schock darüber, das hier im Land plötzlich Zustände herrschten, wie meine Eltern sie aus unserem Heimatland USA kannten. Mein Vater war völlig fertig, er schüttelte dauernd den Kopf, und ich war die meiste Zeit wohl kreidebleich. Krimi hautnah, der nicht hätte sein müssen und drüfen."



 "Ich war zutiefst erschüttert. Ein Geiseldrama, wie es sich in Deutschland so noch nie zugetragen hatte: alles live vor den Kameras der Gaffer, die sich nicht mehr vom Bildschirm lösen konnten. Vieles davon konnte ich mir gar nicht ansehen, zu grausam war das Gezeigte. Als der junge Emanuele De Giorgi ermordet wurde, war es aus für mich. Mein Vater verbot zwar nicht, das ich das ausbeuterische Medienspektakel und die damit verbundene Aufputschung der schrecklichen Tat verfolgte, aber ich konnte es emotional nicht verwinden. Als nach fast zweieinhalb Tagen der Spuk vorbei war, war ich mitgenommen von der Tatsache, das zwei unschuldige, so junge Menschen ihr Leben haben lassen müssen. Meine Trauer darüber hielt lange an."

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