10.11.1988: Bundestagspräsident Philipp Jenninger Rede

... zum 50. Jahrestag der Novemberprogrome zwingt ihn zum Rücktritt



Bericht zu Jenningers Rücktritt

Die Rede:




"Ich dachte damals, das die Rede doch gar nicht schlecht war. Er hat sie nicht besonders gut vorgetragen, aber die Rede an sich enthält die Wahrheit. Die umstrittenen Zeilen, die Jennings zum Rücktritt veranlassten, wurden in der Luft zerrissen und völlig aus dem Kontext gerissen zerpflügt. Denn im Gesamten, wenn man sich alles in Ruhe anhört (bzw. durchliest), ist es nicht einfach eine Entschuldigung an die Menschen, die unter der Hölle der Nazis gelitten haben und ihr Leben lassen mussten, es ist ein Eingeständnis der Schuld Deutschlands. Und das ist doch ebenso bedeutsam."



 "Ich muss gestehen, das ich allein die Vortragsweise damals total nervig und gähnend langweilig fand. Erst als die ersten Politiker den Saal aus Protest verließen, wurde ich hellhörig. Mein Vater hob immer wieder mahnend den Zeigefinger, als wollte er mir sagen, ich solle doch mal genau zuhören. Die Rede selber ist mir auch nur deshalb in Erinnerung geblieben, weil man so viele Stimmen hörte, das Jennings wohl doch braun sein müsse, wenn er sowas vortrug. Unter der Lupe betrachtet ist das völliger Blödsinn, und hätten die wehrten Politiker damals mal lieber aufgepasst, als den Saal zu verlassen, wäre ihnen am Ende der Rede dann bestimmt ein Licht aufgegangen. Ich war schon empört an einigen Stellen, und dann will man gar nicht mehr so genau zuhören. Hab' ich aber doch (allein schon, weil mein Dad immer weiter mit dem Finger fuchtelte), und ich begann mich intensiver damit zu befassen, was im Zweiten Weltkrieg in Deutschland los war. Die Jennings-Rede hat mich also motiviert, mich politisch festzulegen und mir eine eigene Meinung über Gesagtes zu bilden, statt auf bruchstück- und lückenhafte Presseberichte zu hören."

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen